30.03.2011
Initiatoren des Energieautarkie-Kongresses

Energieautarkie als Chance für Wirtschaft und Umwelt

Initiatoren des Ersten Österreichischen Energieautarkie-Kongress sind neben dem TGA der Fachverband Ingenieurbüros und der österreichische Gewerbeverein (ÖGV).

Im Interview nahmen Komm.Rat Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin des ÖGV, und Ing. Christian Pelzl, Obmann des Fachverband Ingenieurbüros Stellung zur Bedeutung des Thema Energieautarkie für die von ihnen vertretenen Berufsgruppen und erklärten ihre Motive den Ersten Österreichischen Energieautarkie-Kongress als Initiatoren mit zu tragen.

Für Ing. Pelzl als Obmann des Fachverbandes gibt es mehrere Gründe sich dem Thema mit vollem Engagement zu widmen: „Zum einem haben wir mit der Ausbildung unserer Mitglieder zu Energieautarkie-Coaches das Heft in die Hand genommen und unsere beratende Funktion um diesen wichtigen Punkt erweitert, zum anderen sind wir sehr daran interessiert, dass der Umstieg auf Erneuerbare Energien schneller vonstatten geht und Österreich nicht mehr in dem Maße wie bisher von Energielieferungen aus dem Ausland abhängig ist. Wie in vielen anderen Bereichen wollen wir Planer auch auf diesem Gebiet die Trendsetter sein.“


Komm.-Rat Margarete
Kriz-Zwittkovits

Bild: Richard Schuster

 


Der rasche Umstieg auf Erneuerbare Energien und die damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen für Österreichs Gewerbetriebe ist auch für Komm. Rat Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin des ÖGV, ein besonderes Anliegen: „Energieautarkie bedeutet neben Energieeffizienz und Umweltschutz auch Unabhängigkeit, welche für jeden Unternehmer eine wertvolle Geschäftsbasis darstellt. Die Nutzung regional verfügbarer Ressourcen ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Entwicklung. Energieautarkie fördert die regionale Wertschöpfung, durch neue Betätigungsfelder werden Arbeitsplätze geschaffen und auch wirtschaftlich schwache Regionen erhalten so einen Impuls für wirtschaftliche Entwicklung. Zudem kann Energieautarkie Image und Identität einer Region stärken.“

Nachhaltigkeit im Fokus

Der Erste Österreichische Energieautarkie-Kongress zeigt die verschiedensten Ansätze zu diesen Aspekten auf. „Die Tagung gibt einen umfangreichen Überblick über die Entwicklungen, den „State of the art“ und Zukunftspotenziale in Fragen Energieautarkie. Aus unternehmerischer Sicht ist das Eröffnen neuer Geschäftsfelder, Ansätze für eine erfolgreiche Umsetzung zunächst im eigenen Betrieb, aber auch auf nationaler und globaler Ebene ein überzeugendes Argument den Kongress zu besuchen“, so Margarete Kriz-Zwittkovits zu ihren Erwartungen.

Und Ing. Pelzl geht noch mehr ins Detail: „Ich erwarte, dass der Kongress nicht nur bei meinen Planerkollegen, sondern auch bei Bauträgern, Gemeinden, Architekten, Energieberatern etc. ein großes Echo findet und die Inhalte verinnerlicht werden.“ Beide Funktionäre sind sich darin einig, dass gerade die von ihnen vertretenen Berufsgruppen einen wichtigen Beitrag zum Weg Österreichs in die Energieautarkie beitragen können. Margarete Kriz-Zwittkovits zur Rolle Österreichs Gewerbebetriebe beim Thema Energieautarkie: „Den gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Gefahrenherden, die durch die extreme Energieabhängigkeit unseres Landes von politischen, unstabilen Regionen heute noch gegeben ist, muss mit entsprechender Initiative begegnet werden. Unsere Betriebe werden daher lernen, selbst nachhaltig mit dem Ressourceneinsatz umzugehen und die großen Chancen ergreifen in neuen ‚grünen‘ Geschäftsfeldern aktiv zu werden“, zeigt sie sich optimistisch.



Ing. Christian Pelzl

Bild: Richard Schuster

 


Und Christian Pelzl meint ganz Konkret: „Wir wollen im Energieautarkie-Prozess eine Vorreiterrolle übernehmen. Als unabhängige Consulter werden wir versuchen bei unseren Kunden Überzeugungsarbeit zu leisten und sie zu Erneuerbaren Energien hinführen.“

Lukrative Anreizmodelle

Klimaschutz, Energieeinsparung und Umweltbewusstsein sind in Bezug auf Österreichs Energieautarkie ausschlaggebende Faktoren und eine Frage der Einstellung. Sowohl Margarete Kriz Zwittkovits wie auch Christian Pelzl sind sich einig, dass es konkreter Maßnahmen bedarf um dieses Umdenken auf breiter Basis zu initiieren. „Hier ist in erster Linie die Politik gefordert, die durch entsprechende Aufklärung und Gesetzgebung diesen Prozess lenken muss. Das kann durch Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung, durch Fördermaßnahmen, aber auch im allerletzten Schritt durch Steuern erreicht werden. Zudem sollte Autarkie das Topthema der Energiebeauftragten von Bund, Ländern und Gemeinden sein, die die breite Öffentlichkeit dahingehend sensibilisieren. Daher kann ich nur hoffen, dass viele Energiebeauftragte den Energieautarkie-Kongress besuchen,“ erklärt Pelzl.

Ohne finanzielle Anreize wird der nötige Bewusstseinswandel aber nur schwer hervorzurufen sein, darin sind sich beide Kriz-Wwittkovits und Pelzl einig. Förderungen sind für den ÖGV aber nicht der Weisheit letzter Schluss: „Der ÖGV stellt sich im Grundsatz gegen jede Art von Förderungen, außerhalb des Bereiches Forschung und Entwicklung. Wir wünschen uns da eher steuerliche Anreize und Bonusmodelle. Unserer Meinung nach muss sich der Umstieg auf Erneuerbare Energien mittelfristig auch finanziell lohnen, da und dort kann es auch durch Synergieeffekte Wettbewerbsvorteile ergeben. Dann wird der Paradigmenwechsel auch in der Praxis entsprechend rasch erfolgen.“

Und Christian Pelzl meint: „Zurzeit steht und fällt der Umstieg auf Erneuerbare Energien mit der Höhe der Förderungen und den Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern. Beides ist im letzten Jahr gleich geblieben, somit hatten die Erneuerbaren Energien auf breiter Front zum Teil starke Einbußen erlitten. Mit einer Aufstockung des Fördervolumens ist aufgrund des Sparpaketes der Regierung in diesem Jahr nicht zu rechnen. Ob und wie stark die Preise für Gas und Heizöl in diesem Jahr steigen werden, ist noch nicht abzusehen. Es sieht also auch 2011 für die Erneuerbaren Energien nicht unbedingt rosig aus.“

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