M.O.O.CON GmbH
Wettbewerbe: Beste Architektur?
Zwischen den Anforderungen des Bauherren und der kreativen Freiheit des Architekten gibt es eine Reihe an Nachhaltigkeitsaspekten, die aus der heutigen Baukulturdebatte nicht wegzudenken sind. In diesem Spannungsfeld finden gegenwärtige Architekturwettbewerbe statt.
Ob der Komplexität des Themas droht das Risiko, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen und das Visionäre an der Architektur zu verkennen. Rund 70 Teilnehmer tauschten sich beim M.O.O.CON FORUM in der Technischen Universität Wien darüber aus, ob und wie Wettbewerbe beste Architektur hervorbringen können.
Ein Regelwerk für Architekturwettbewerbe zu Beginn des 21. Jahrhunderts müsse nicht erfunden werden, wurde im Wettbewerb-Standard Architektur (WSA) der Österreichischen Architektenkammer im Jahr 2010 festgehalten. Die 142 Jahre alten, ersten Wettbewerbsgrundsätze seien bis heute gültig, so der Wortlaut. „Das wage ich zu bezweifeln“, so eröffnete DI Herbert Zitter, Partner bei M.O.O.CON, die Veranstaltung. Die Architektur stehe heute vor komplexen Herausforderungen: Sie müsse den Nutzer in seinem Handeln unterstützen, die Umwelt möglichst wenig belasten und einen Mehrwert im stadtplanerischen und sozio-kulturellen Sinne bieten. Die Diskussion, welche Positionen, Rollen und Anforderungen in einem Wettbewerbsverfahren existieren, was sie je nach Projekt bewirken können und sollen, steht noch aus.
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DI Jakob Dunkl (li), Geschäftsführer querkraft architekten zt gmbh und DI Peter Weinelt (re), Geschäftsführer Wien Energie Stromnetz GmbH |
Bild: MOOCON - Fotograf Walter Oberbramberger |
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Eines habe der Geschäftsführer von Wien Energie Stromnetz nach der Auslobung des Wettbewerbs für den Smart Campus als neue Zentrale für sein Unternehmen verstanden: „Ich werde mich in Zukunft davor hüten, Architektur zu bewerten!“ Ein zweistufiges Wettbewerbsverfahren mit viel Vorbereitung und einem intensiven Bewertungs- und Auswahlprozess habe ihm gezeigt, wie unterschiedlich die Antworten auf die Frage nach der besten Architektur sein können. „Da bin ich dankbar für jede Bauherrenberatung und Jurykompetenz, die ich kriegen kann“, so Weinelt.
Wozu Architekturwettbewerbe?
Angesichts dieser Komplexität und des Aufwandes im Rahmen von Wettbewerben drängt sich die Frage auf, wann diese überhaupt Sinn machen? „Wir Architekten beuten uns mit einer Wettbewerbsteilnahme selber aus“, gab Univ.-Prof. Roland Gnaiger von der Kunstuniversität Linz als erfahrener Architekt und Juror zu bedenken. 800 Stunden soll das Büro querkraft des Architekten Jakob Dunkl allein für den Wettbewerbsbeitrag Smart Campus investiert haben. Wettbewerbe seien aber wichtig, weil sie ein Instrument zur gesellschaftlichen Verbreitung von Architektur sind, so Prof. Gnaiger. Für den Bauherrn seien sie ab einer bestimmten Größe sogar unabdingbar und bringen neue Aspekte und Lösungsansätze, an die zuvor vielleicht gar nicht gedacht wurde, so Weinelt.
Wer braucht 100 Seiten Auslobungsunterlagen?
Eine genaue Bestellung sei ein wesentliches Kriterium für erfolgreiche Architekturwettbewerbe, so der Tenor. Die Genauigkeit ist aber ein relativer Begriff: „Während eine Auslobungsunterlage für den Bauherrn nie zu genau sein könne, seien 100 Seiten für den Architekten oftmals zu viel.“ Man müsse auch Mut haben, die in den Auslobungsunterlagen festgelegten Kriterien als „Soll-Bestimmungen zu verstehen“, betonte Dunkl. Bei Auslobungsunterlagen gehe es jedenfalls nicht nur um Quadratmeter, sondern vielmehr um Funktionalität und die Werte des Bauherrn, erklärte Mag. Karl Friedl, Geschäftsführer von M.O.O.CON und Moderator der Runde. Das Credo des Bauherrenberaters M.O.O.CON ist, dass Menschen, Organisationen und Objekte Werte sind, die ineinander greifen. Je nach Bauprojekt gilt es, die Strategie der Nutzer in eine Objektstrategie zu übersetzen und damit eine Orientierungsgrundlage für Architekten zu schaffen. Dies bestätigte auch Weinelt: Ein Bauauftrag sei oftmals ein Selbstfindungsprozess für das nutzende Unternehmen. Man müsse seine Werte definieren, formulieren und dann könne man die beste Architektur erwarten.
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O. Univ. Prof. Mag. arch. Roland Gnaiger (li), kunst unviersität linz und Mag. Karl Friedl (re), Geschäftsführer M.O.O.CON GmbH |
Bild: MOOCON - Fotograf Walter Oberbramberger |
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Ein Wettbewerb mit so umfassenden Auslobungsunterlagen sei definitiv nicht für jedes Projekt passend. Außerdem war der direkte Austausch mit dem Bauherrn im Rahmen des Smart Campus-Wettbewerbs verfahrenstechnisch unterbunden. Man müsse den richtigen Weg für jedes Bauprojekt finden und das Regelwerk flexibel gestalten.
Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen
Neben der genauen Bestellung bedarf es einer Bewertung nach klar definierten und gewichteten Kriterien. Sonst besteht die Gefahr, dass alles im gleichen Ausmaß für wichtig erklärt werde und man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe, gab Prof. Gnaiger zu bedenken. Eine gewisse Erfahrung im Moderieren von Juryentscheidungen könne dabei helfen. Schließlich brauche der Bauherr weder die Hülle, noch die lebenszyklisch optimierte oder die energieeffiziente Immobilie allein, sondern ein Gesamtkonstrukt, das nach außen und nach innen funktioniert. „Der Bauherr sucht neben der baukünstlerischen Leistung ein Team“, so Friedl zum Abschluss.
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